Westeuropas PSA-Markt: Differenzierte Strukturen

Insgesamt betrachtet schrumpfen in Westeuropa Belegschaften in produzierenden Betrieben. Dennoch konnte der Absatz an Persönlichen Schutzausrüstungen in allen Ländern seit der Mitte der 2010er-Jahre kontinuierlich und dynamisch zulegen. In einigen Regionen greifen Arbeitsschutzverordnungen besser, in anderen konnten neue Kundengruppen erschlossen werden. Während in Südeuropa Preise wichtig sind, lassen sich teure, hochwertige Schutzausrüstung gut in Skandinavien verkaufen.

Obwohl in fast allen Ländern Westeuropas deutliche Verluste an Erwerbstätigen in den wichtigen Kernzielgruppen des verarbeitenden Gewerbes zu verzeichnen waren, konnte im PSA-Markt dennoch Wachstum generiert werden Bildquelle: FotoArtist / stock.adobe.com

macrom Marketingresearch & Consult analysiert seit dem Jahr 2005 in regelmäßigen Abständen den deutschen PSA-Markt. In den vergangenen fast zwei Jahrzehnten erfolgte regelmäßig die Durchführung weiterer Länderanalysen. Nun wurde erstmalig die gesamte Region Westeuropa im Rahmen einer umfassenden und detaillierten Studie untersucht, um den Marktteilnehmern eine Planungsgrundlage bezüglich dieses differenzierten Wirtschaftsraumes zu bieten. Die Region stellt ein Hauptabsatzgebiet des PSA-Weltmarktes dar und umfasst die Länder Norwegen, Schweden, Finnland, Dänemark, Großbritannien, Irland, Belgien, Niederlande, Luxemburg, Deutschland, Schweiz, Österreich, Italien, Frankreich, Spanien und Portugal.

Nachdem die negativen Effekte der Finanzkrise seit der Mitte der 2010er-Jahre auch in Südeuropa überwunden waren, wies der westeuropäische PSA-Markt ein kontinuierliches und dynamisches Wachstum auf. Dieses Wachstum konnte generiert werden, obwohl in fast allen Ländern der Region deutliche Verluste an Erwerbstätigen in den wichtigen Kernzielgruppen des verarbeitenden Gewerbes zu verzeichnen waren. Am stärksten waren diese Verluste in Spanien, UK und Frankreich. Die DACH-Region, also Deutschland, Österreich und die Schweiz waren demgegenüber vergleichsweise stabil, so dass sich die ohnehin große Bedeutung dieses Wirtschaftsraumes für den Absatz von persönlicher Schutzausrüstung in Westeuropa weiter vergrößert hat.

Konsequentere Durchsetzung von Arbeitsschutzverordnungen

Trotz dieser negativen Entwicklung im verarbeitenden Gewerbe konnte der westeuropäische PSA-Markt wachsen, weil sich die Absatzpotenziale auf der Trägerebene deutlich vergrößert haben. Dies ist vor allem die Folge der konsequenteren Durchsetzung von Arbeitsschutzverordnungen in Ländern wie Spanien, Italien, Frankreich und UK. Gleichzeitig wurden Potenziale im Bereich des Service-Sektors erschlossen, in dem z.B. im Handel und in der Logistik die Verwendung von Schutzausrüstung wesentlich verbreiteter ist als noch vor zehn Jahren. Dies betrifft vor allem das Tragen von Sicherheitsschuhen, den Wetter- und Warnschutz sowie den Handschutz. Auch Produkte wie Anstoßkappen haben den Marktteilnehmern neue Kundengruppen zugeführt.

PSA-Marktentwicklung in Westeuropa von 2018 bis 2021 (Veränderung in %)Bildquelle: TH / novuprint / macrom

Differenziert zeigt sich die Situation in Westeuropa aber nach wie vor im Kaufverhalten der PSA-Verantwortlichen. Auch wenn der Einsatz der Produkte heute wesentlich konsequenter erfolgt, ist die Beschaffung in den Südländern und in UK vorwiegend preisorientiert. Überdurchschnittliche Absatzchancen für hochwertige Schutzausrüstung bieten sich dagegen im kleinen Wirtschaftsraum Skandinavien. Hier haben die extremen Witterungsbedingungen, die hohe Bedeutung von Arbeitsplätzen in Branchen mit hoher physischer Beanspruchung wie der Holzwirtschaft, Fischerei und der Förderung von Bodenschätzen in Kombination mit einer ausgeprägten fürsorglichen Einstellung zu den überdurchschnittlichen Absatzpotenzialen für Qualitätsprodukte geführt.

Motivationsfaktor PSA

In der DACH-Region und hier besonders in Deutschland hat die gute Konjunktur seit dem Jahr 2010 mit einer zunehmenden annähernden Vollbeschäftigung dazu geführt, dass sich die Ausgabebereitschaft für Schutzprodukte stark verbessert und insgesamt ein Up-Trading ausgelöst hat. PSA wurde zunehmend als Faktor erkannt, die Motivation der Mitarbeiter mit ansprechenden und komfortablen Schutzprodukten zu steigern. Dieser Trend ist prinzipiell auch für die BeNeLux-Region maßgebend, allerdings haben sich in diesem kleinen Marktgebiet die Potenziale im verarbeitenden Gewerbe wesentlich stärker reduziert als in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Explosives Wachstum während COVID-19-Pandemie

Mit dem Ausbruch der COVID-19-Pandemie im Jahr 2020 hat der westeuropäische PSA-Markt ein explosives Wachstum und einen starken strukturellen Wandel erfahren. Dieses Wachstum basiert jedoch allein auf der Nachfragesteigerung nach Hygiene-PSA wie z. B. FFP-Masken, Seifen sowie Einweg-Handschuhen und -Anzügen. In den anderen Produktgruppen war die Marktentwicklung dagegen vor allem durch die Effekte der Lockdownphasen geprägt, die einen Einfluss auf das Verbrauchsvolumen hatten.

Besonders stark negativ betroffen waren hier Produkte, die wie Gehörschutzstöpsel mehrmals pro Schicht getauscht werden. Verluste, die hier entstanden sind, konnten nicht wieder aufgeholt werden. Geringere Auswirkungen waren dagegen in Produktgruppen zu spüren, in denen der Austausch in längeren Zyklen erfolgt. Bei Produkten wie Sicherheitsschuhen oder Multifunktionsanzügen wurden die meisten Beschaffungen im Verlauf der Jahre 2020 und 2021 wieder nachgeholt.

Die nun vorliegende Analyse bietet nicht nur fundamentale Planungsdaten für den westeuropäischen Markt, sondern auch für die Absatzpotenziale in den Regionen und Ländern Westeuropas. Dabei werden die Daten für die neun PSA-Teilmärkte sowie für fast 100 Produktgruppen in den Strukturen des Normalmarktes bis zum Jahr 2019 wie auch in der Pandemiephase ausgewiesen.

Quelle

macrom Marketingresearch & Consult, Bergisch Gladbach, info@macrom.de, T +49 2204 963555-0, www.macrom.de

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